Jüdisches Museum

File 134Das Jüdische Museum zählt zu den bekanntesten Museen Thessalonikis und ist eines der wichtigsten Zeugnisse der multikulturellen Vergangenheit der Stadt. Das Museum, das unweit des Aristotelesplatzes im Zentrum Thessalonikis gelegen und in einem der letzten erhaltenen jüdischen Wohnhäuser der Stadt untergebracht ist, erinnert nicht nur an die ehemals florierende jüdische Kultur in der Region, sondern setzt auch ein historisches Mahnmal.

Für rund vier Jahrhunderte war Thessaloniki Heimat einer der größten jüdischen Bevölkerungsteile Europas. Die im 15. Jahrhundert überwiegend aus Spanien und Frankreich vertriebenen Juden fanden in der Handelsstadt am Mittelmeer nicht nur ein tolerantes neues Zuhause, sondern bereicherten das Leben in Thessaloniki auch rasch mit ihren ausgefeilten Handwerkskünsten und ihrem medizinischem Wissen. Thessaloniki erhielt im Laufe der Jahrhunderte den Beinamen „Mutter Israels“ - doch mit Anbruch des 20. Jahrhunderts begann auch der Niedergang der jüdischen Diaspora in der Stadt. Während der Große Brand von 1917, der vor allem in den jüdischen Wohn- und Handelsvierteln wütete, bereits vielen als Jahrhundertkatastrophe erschien, führte der Zweite Weltkrieg dann zu einer beinahe vollkommenen Vernichtung der jüdischen Bevölkerung der Stadt: Offiziellen Angaben zufolge fielen rund 96% der Juden Thessalonikis dem Holocaust zum Opfer. Heute sind nur noch vereinzelte Gedenkstätten an die Bevölkerungsgruppe, die Thessalonikis Stadtbild einst so maßgeblich mit prägte, erhalten geblieben – eine davon ist das Jüdische Museum.

Das Museum selbst teilt sich in vier Ausstellungsbereiche auf. Während im ersten Stock archäologische Ausgrabungsfunde aus einer nahegelegenen jüdischen Nekropole besichtigt werden können, widmen sich die Galerien im zweiten Stockwerk des Gebäudes der Geschichte der Juden Thessalonikis und deren Kultur. Altertümliche wie auch zeitgenössische Schriftstücke, elegante Kleider, interessante Alltagsgegenstände und eine Vielzahl an Fotografien ergänzen die ausführlichen Informationstafeln und vermitteln dem Besucher einen lebensechten Eindruck vom florierenden kulturellen Leben des mittelalterlichen Thessalonikis. Die letzte Ausstellung widmet sich dem Verlauf des Zweiten Weltkrieges in der Region und präsentiert unter anderem Augenzeugenberichte, offizielle Dokumente und verschiedene Kriegsartefakte.

Zum Jüdischen Museum Thessalonikis zählen auch eine Bibliothek und ein Forschungs- und Digitalisierungszentrum, welche sich aktiv um eine Wahrung des historischen Gedächtnisses an die jüdische Diaspora bemühen. Für Schüler und Studenten ist der Eintritt kostenlos.